Facebook: Ihre Privatsphäre steht zum Verkauf

Aus dem Hause Facebook werden wieder interessante Neuigkeiten vernommen: Es geht um Ihre Privatsphäre – jedoch nicht zu Ihrem Vorteil. Denn bei Facebook wird Privatsphäre immer weiter personalisiert. Was das bedeutet? Wir bringen Sie auf den letzten Stand.

Mark Zuckerberg hatte dereinst die Vision, ein Netzwerk als „Privatsphäre-Innovation“ zu gründen; eine globale Plattform, auf der Mitglieder privat mit ihren Freunden kommunizieren. Zuckerberg war mit der Verwirklichung der halben Vision unglaublich erfolgreich: Facebook wurde ein weltweiter Kommunikations-Erfolg – und ist mittlerweile das genaue Gegenteil von privat.

Privat vs. personalisiert

Auf den ersten Blick haben die beiden Adjektive „privat“ und „personalisiert“ viel Ähnlichkeit miteinander: Sie beziehen sich auf eine einzelne Person. Dennoch stehen sie in so klarem Gegensatz zueinander wie schwarz und weiß und nirgendwo im Netz ist das besser ersichtlich als auf Facebook. Denn während „privat“ meint, dass die Öffentlichkeit ausgeschlossen ist, werden Ihre Postings „personalisiert“ – also für maßgeschneiderte Werbung ge-/missbraucht.

Beim Ausforschen von User-Interessen zu Werbezwecken hat Facebook, neben Google und Amazon, eine Vorreiterrolle. Problemen wie dem Datenschutz begegnen Zuckerberg und Co. meist gelassen. Nach verlorenen Klagen werden Privatsphäre-Einstellungen zwar geändert oder erweitert, doch folgen sogleich wieder neue Features und Tools.

Vergessen Sie’s – Facebook ist schlauer

Der Zweck all dieser Neuheiten: Sämtliche Ihrer Gewohnheiten auszuforschen, Werbung besser auf Sie abzustimmen und die gesammelten Infos Drittanbietern zum Ausverkauf anzubieten. Sollten Sie jetzt mit dem Gedanken spielen, Facebook auszutricksen, müssen wir Sie leider enttäuschen. Das, woran Sie gerade gedacht haben, wird nämlich – von Ihnen selbst in den AGBs akzeptiert – schon längst eingesetzt. Hier in Kürze ein kleines Update der „coolsten“ Features:

– Sie wollen Facebook mit Ihren Sprachkenntnissen übertölpeln? No Way! Dank „Deep Text“ lernt Facebook nicht nur Fremdsprachen, sondern auch Dialekte verstehen. Sie können Ihre Freunde also jetzt gerne auf hessisch zutexten, nur: sie werden Sie nicht verstehen – Facebook dagegen schon.

– „Time Stamps“ ist ein Tool, das Ihre Schlafgewohnheiten überwacht – ja, auch damit lässt sich Geld machen.

– Eine Verschlüsselung der Messenger-Nachrichten wird, anders als bei WhatsApp, nur als Option zum Selbsteinrichten im hintersten Untermenü angeboten – schließlich schießt sich Facebook damit abhörtechnisch ein Eigentor.

– Doch das aus Datenschutz-Sicht wohl heikelste Feature ist die Audio-Analyse Ihrer Gespräche und Umgebungsgeräusche, die bei geöffneter Facebook-App registriert und ausgewertet werden.

Schützen Sie Ihre Privatsphäre

Facebook gibt sogar offen zu, dass die App über das Smartphone-Mikrofon sämtliche Geräusche und Gespräche in ihrer Nähe registriert, um personalisierte Werbung noch besser auf Sie abzustimmen. Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie demnächst Kaufangebote für Kondome mit Chili-Geschmack oder eine garantiert wirkungsvolle Hämorrhoiden-Salbe erhalten.

Überlegen Sie lieber, wohin Sie Ihr Smartphone mitnehmen und wie weit Sie Facebook in Ihre Privatsphäre eindringen lassen. Unser Tipp: Nehmen Sie stattdessen doch einfach wieder mal ein gutes Buch mit ins Bett oder eine Zeitschrift auf die Toilette. Wollen Sie dennoch nicht auf Ihr tägliches (geräuschvolles) Posting vom stillen Örtchen aus verzichten, denken Sie bitte daran: Facebook interessiert sich für ALLES, was Sie von sich geben.